Wer Rhabarber pflanzen möchte, sollte vor allem den späteren Platzbedarf und die lange Standzeit bedenken. Die robuste Staude braucht einen tiefgründigen, nährstoffreichen Boden, regelmäßige Feuchtigkeit und nach dem Einsetzen etwas Geduld. Ich zeige, wann der beste Zeitpunkt ist, wie die Pflanzung gelingt, welche Pflege wirklich nötig ist und ab wann die ersten Stangen geerntet werden dürfen.
Mit diesen Grundlagen gelingt der Start
- Pflanzzeit: Am besten im frühen Herbst, alternativ im März oder April.
- Standort: Sonnig bis halbschattig, humos und dauerhaft leicht feucht.
- Platzbedarf: Pro Pflanze mindestens 1 m², bei großen Sorten lieber mehr.
- Pflanztiefe: Die Knospen am Wurzelstock dürfen nur knapp mit Erde bedeckt sein.
- Ernte: Im ersten Jahr nicht oder nur sehr vorsichtig ernten, ab dem zweiten Jahr langsam steigern.

Der richtige Standort entscheidet über Jahre
Rhabarber ist keine Beetkultur für eine einzige Saison, sondern kann zehn Jahre oder länger am selben Platz wachsen. Deshalb suche ich den Standort nicht danach aus, wo gerade eine kleine Lücke frei ist, sondern nach den Bedingungen, die die ausgewachsene Staude später braucht.
Ideal ist ein sonniger bis halbschattiger Platz. In voller Mittagssonne wächst die Pflanze kräftig, verdunstet aber auch viel Wasser. Halbschatten funktioniert gut, solange der Standort hell genug bleibt. Zu dunkle Ecken führen oft zu dünnen Stielen und einer kleineren Ernte.
Der Boden sollte tiefgründig, humos und gut durchlässig sein. Staunässe verträgt Rhabarber schlecht, trocknet der Boden im Sommer dagegen regelmäßig aus, bleiben die Stangen dünn. Besonders auf sandigen Böden hilft eine großzügige Kompostgabe, während schwere Lehmböden vor dem Pflanzen mit reifem Kompost und etwas grobem Material lockerer gemacht werden sollten.
Plane pro Staude mindestens einen Quadratmeter Fläche ein. Zwischen zwei Pflanzen sind etwa 1 bis 1,5 Meter Abstand sinnvoll. Das wirkt am Anfang großzügig, verhindert später aber Gedränge und erleichtert das Ernten rund um die großen Blätter.
Wann und wie die Pflanzung gelingt
Die beste Zeit für einen Wurzelstock ist der frühe Herbst, etwa von September bis Oktober. Der Boden ist dann noch warm, während die Pflanze oberirdisch kaum noch wächst. Auch eine Pflanzung im März oder April ist möglich, sofern der Boden frostfrei ist.
| Pflanzzeit | Vorteil | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| September bis Oktober | Die Wurzeln können vor dem Winter einwachsen. | Bei trockener Witterung nach dem Pflanzen gründlich wässern. |
| März bis April | Die Staude startet direkt in die neue Gartensaison. | Spätfröste und trockene Frühjahrswochen beachten. |
| Getopfte Pflanzen | Flexibler pflanzbar, solange der Boden nicht gefroren ist. | Den Wurzelballen vorsichtig lösen und danach gut angießen. |
Vor dem Einsetzen lockere ich den Boden etwa 50 bis 70 Zentimeter tief. Das Pflanzloch darf deutlich größer als der Wurzelstock sein. In die ausgehobene Erde mische ich reifen Kompost, bei magerem Boden zusätzlich gut verrotteten Stallmist oder einen organischen Dünger.
Die richtige Tiefe für den Wurzelstock
Der häufigste Fehler ist eine zu tiefe Pflanzung. Setze den Wurzelstock so ein, dass die Knospen knapp unter oder auf Höhe der Erdoberfläche liegen. Werden sie mit einer dicken Erdschicht bedeckt, treiben sie schlechter aus oder faulen bei nassem Boden.
Nach dem Einsetzen wird die Erde leicht angedrückt und die Pflanze mit 10 bis 15 Litern Wasser eingeschlämmt. Eine dünne Mulchschicht aus Laub oder Kompost hält die Feuchtigkeit, darf aber nicht direkt auf der Krone liegen. Bei geteilten Wurzelstöcken sollte jedes Teilstück mindestens eine kräftige Knospe und ausreichend Wurzelmasse besitzen.
Pflege im ersten Jahr und danach
Rhabarber gilt als pflegeleicht, ist aber kein Selbstversorger. Besonders im ersten Jahr braucht er gleichmäßige Wasserversorgung, damit sich ein kräftiger Wurzelstock bildet. Ich gieße lieber selten, dafür durchdringend, statt täglich nur die oberste Erdschicht zu befeuchten.
Im Frühjahr bekommt die Staude eine Kompostgabe von etwa 3 bis 5 Litern pro Quadratmeter. Nach der ersten Ernte kann eine zweite, sparsame organische Düngung sinnvoll sein. Stickstoff sollte nicht übertrieben eingesetzt werden, weil dann zwar viel Blattmasse entsteht, die Stiele aber weich und geschmacklich weniger ausgewogen sein können.
Entferne Unkraut vorsichtig, solange die Blätter noch klein sind. Später beschattet der Rhabarber den Boden weitgehend selbst. Eine Mulchschicht hilft gegen Austrocknung, sollte jedoch regelmäßig kontrolliert werden, damit sich keine dauerhaft nasse Zone an der Pflanzenkrone bildet.
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Blütenstiele früh ausbrechen
Wenn sich im Frühjahr ein dicker Blütenstiel entwickelt, breche ich ihn möglichst früh am Ansatz aus. Die Blüte ist zwar dekorativ, kostet die Pflanze aber viel Energie. Für eine kräftige Ernte ist es sinnvoller, diese Kraft in Wurzelstock und Blattstiele fließen zu lassen.
Im Spätherbst zieht der Rhabarber oberirdisch ein. Vertrocknete Blätter können entfernt werden, gesundes Pflanzenmaterial sollte aber nicht unnötig vorzeitig abgeschnitten werden. Eine zusätzliche Winterabdeckung ist in Deutschland meist nicht nötig, bei frisch gesetzten Teilstücken schützt eine lockere Laubschicht jedoch vor starken Temperaturschwankungen.
Ernte mit Maß statt Raubbau
Im ersten Standjahr würde ich grundsätzlich auf die Ernte verzichten. Die Pflanze soll zunächst Wurzeln und Reserven aufbauen. Im zweiten Jahr können einige kräftige Stiele genommen werden, ab dem dritten Jahr ist bei gut entwickelten Stauden eine normale Ernte möglich.
Geerntet wird von April bis spätestens Ende Juni, wobei die regionale Witterung den genauen Beginn beeinflusst. Greife den Stiel möglichst tief und ziehe ihn mit einer leichten Drehbewegung heraus. Schneiden ist möglich, hinterlässt aber eher einen Stummel, der bei feuchtem Wetter faulen kann.
Nimm pro Ernte nicht mehr als ungefähr ein Drittel der vorhandenen Stiele. Einige Blätter müssen stehen bleiben, damit die Staude weiter Energie für das nächste Jahr sammeln kann. Dünne, kurze oder beschädigte Stiele lasse ich grundsätzlich an der Pflanze.
Die Blätter gehören nicht auf den Teller. Sie enthalten deutlich mehr Oxalsäure als die Stiele und werden deshalb nach dem Ernten entfernt. Auch nach dem traditionellen Saisonende um den 24. Juni lohnt sich Zurückhaltung, weil die Pflanze dann Reserven für die nächste Saison einlagert.
Typische Fehler beim Anbau vermeiden
Viele Probleme entstehen nicht durch Krankheiten, sondern durch falsche Standortentscheidungen. Eine Staude, die zu eng zwischen anderen Pflanzen steht oder in einem trockenen Beet wächst, bleibt oft dauerhaft schwach. In meiner Praxis macht der großzügig geplante Platz meist einen größeren Unterschied als ein spezieller Dünger.
- Zu tief gepflanzt: Die Knospen werden mit Erde bedeckt und treiben nur zögerlich aus.
- Zu wenig Abstand: Große Blätter nehmen sich Licht und Luft, außerdem wird die Pflege schwieriger.
- Zu frühe Ernte: Junge Pflanzen verlieren Reserven und entwickeln sich langsamer.
- Unregelmäßiges Gießen: Besonders bei trockenem Frühling und Sommer bleiben die Stiele dünn.
- Staunässe: Nasse Böden fördern Fäulnis an der Wurzelkrone.
- Blüten stehen lassen: Die Pflanze investiert dann unnötig viel Energie in die Samenbildung.
Wer nur einen Balkon oder eine Terrasse hat, kann Rhabarber auch im großen Gefäß kultivieren. Der Topf sollte mindestens 40 bis 50 Liter fassen, ein Abflussloch besitzen und mit strukturstabiler, humoser Erde gefüllt werden. Trotzdem bleibt die Kultur im Garten einfacher, weil Feuchtigkeit und Nährstoffversorgung dort gleichmäßiger sind.
Ein guter Platz heute spart Arbeit für viele Jahre
Die wichtigste Entscheidung fällt vor dem Einsetzen: Wähle einen hellen, geräumigen Platz mit tiefem, fruchtbarem Boden und plane die Staude nicht als kurzfristige Lückenfüllung ein. Ist der Wurzelstock richtig gesetzt, wird regelmäßig gewässert und im ersten Jahr geschont, belohnt Rhabarber die Geduld meist mit einer zuverlässigen Ernte über viele Saisons.
Ich würde deshalb lieber eine kräftige Pflanze gut versorgen als mehrere Stauden zu eng zu setzen. So bleiben die Stiele gesund, die Ernte lässt sich bequem durchführen und der Rhabarber passt später genau zu dem, wofür er im Garten stehen sollte: unkomplizierte, regionale Küche aus eigener Erde.
